Samstag, 11. Januar 2014

Antonio war heute megaglücklich.

Mutter eines Mitschülers von Antonio heute zu Maria:
"Maria, ich bin sprachlos und muss dir für Antonio gratulieren. Sein benehmen heute bei mir zu Hause, einfach einzigartig, wünschte meine Kinder "würden sich auch so benehmen". Beim Mittagessen, hat er ganz alleine und alles aufgegessen, als er fertig gegessen hatte wollte er sogar seinen Teller in die Küche bringen, ich habe ihn nicht gelassen, aber nur weil meine Kinder es auch nicht machen. Ein makelloses Verhalten."

Maria:
"Oh Susana, du weisst nicht wie ich mich freue. War er in irgendeinem Moment bockig?"


Mutter vom Mitschüler:
"Bockig??? Maria, nein, in keinem Moment, ich sagte dir ein super benehmen. Nach dem Essen, habe ich beide Jungs alleine gelassen und haben draussen im Garten alleine gespielt. Ich habe von den beiden nichts mitbekommen. Als wir zum Kindergeburtstag gehen mussten, und der Moment kam zum Umziehen, habe ich beiden beim Anziehen geholfen. Ich hatte Antonio vorher gefragt ob er sich alleine anziehen möchte oder ich ihm helfen sollte. Er wollte Hilfe, aber ich sag dir, nur weil ich meinen angezogen habe, Antonio hat sich bereits teilweise alleine ausgezogen. Danach sind wir zum Kindergeburtstag gefahren und alles absolut problemlos. Ich sage dir nur, rechne bitte mit mir, ich nehme Antonio wann auch immer wieder gerne mit."


....

Maria hat aufgelegt und vor Freude angefangen zu weinen, da fiel ihr nichts anderes ein, als mich heulend anzurufen, ich habe erst ein mal einen Schrecken bekommen, doch als sie mir die Kommentare der Mutter sagte, habe ich eine Gänsehaut bekommen und hätte einfach nur vor Freude springen können, als hätte ich im Lotto gewonnen.

Die Vorgeschichte ist einfach. Antonio war heute zum Kindergeburtstag eines Mitschülers eingeladen, wir hatten einfach "logistische" Probleme ihn zum Geburtstag zu fahren. Ich musste am Nachmittag arbeiten und die Kleine Schwester ist etwas erkältet, da wollten wir sie nicht ausser Haus bringen.
Maria hatte jedenfalls vor 2 Tagen in der WhatsApp Gruppe von Antonios Klasse gefragt, ob ihn jemand am Freitag (heute) nach der Schule zu sich nach Hause und danach zum Kindergeburtstag mitnehmen könnte. Die Mütter helfen sich hier diesbezüglich absolut problemlos, doch bisher hatte niemand in den letzten 3 Vorschuljahren Antonio weder zum Spielen, noch zum Mittagessen zu sich nach Hause eingeladen. Daher waren wir sehr skeptisch. Wir hatten uns teilweise damit abgefunden, dass es so ist. Wir können auf unsere Kinder einwirken, doch andere Personen kann man eben nicht zwingen.


Jedenfalls war Antonio HEUTE zum ersten Mal bei einem Mitschüler zum Mittagessen eingeladen und sind direkt von dort aus zum Kindergeburtstag gefahren. Gegen 19.30h habe ich ihn abgeholt. Er war zum ersten Mal, fast 5 Stunden ohne seine Referenzpersonen und mit Personen, die ihn nicht kennen ganz allein auf sich gestellt und hat die Situationen bestens gemeistert, reibungslos und ohne Probleme.

Was war geschehen? Wie kam es, dass auf einmal nicht nur eine Mutter bereit war Antonio nach Hause mitzunehmen, sondern gleichzeitig mehrere? Ich meine, es wurde ja niemand direkt gefragt, der sich hätte gezwungen fühlen können bzw. es hätte sich ja auch niemand anbieten können. Doch es kam anders.

Den genauen Grund werden wir wohl nie wissen, doch ich möchte einfach nur glauben, dass "das Missionieren" auf Kindergeburtstagen, beim Abholen vor der Schule, bei den gemeinsamen Ausflüge funktioniert hat, wir auf die anderen Personen positiv einwirken, wenn wir über unsere Erfahrungen aus Malaga berichten, unsere Einstellung gegenüber der Erziehung mitteilen, unser Verhalten gegenüber unseren Kindern, unsere Einstellung gegenüber dem Down Syndrom, unsere Offenheit gegenüber dem Down Syndrom vorleben, unser absolutes und blindes Vertrauen gegenüber den Fähigkeiten und Kompetenzen unsere Sohnes zeigen, und nicht zu vergessen, Antonio selbst, wie er sich in der Schule gibt, vor allem in den Momenten, wenn die Kinder von den Eltern abgeholt werden, sein Verhalten auf den Kindergeburtstagen, und sonstigen Treffen.

Ich frage mich nur, ob wir es doch ein bisschen geschafft, in dieser "Mikrowelt der Schule" den Eltern etwas Angst, oder Unsicherheit gegenüber dem Down Syndrom genommen zu haben?
Ich frage mich, ob der Mutter des Mitschülers überhaupt bewusst ist, was ihr JA für uns bedeutet hat, was ihr JA für Antonio bedeutet hat? 


Aber es ist ein JA für Akzeptanz, Respekt, Inklusion, es ist ein JA, Antonio ich gebe dir eine Chance, dich kennenzulernen.

Antonio war heute mega glücklich.

 

Kommentare:

chris hat gesagt…

Das ist ja schön :-) ... da hätte ich wohl auch vor Freude geheult ;-)
Liebe Grüße
Christine & Joshua

Birgit Brunsteiner hat gesagt…

wunderschön! wir hatten kürzlich ein ähnliches Erlebnis, das größte Problem mit dem "Alleinelassen" hatte wahrscheinlich ich, als ich Noah vom Kindergeburtstag abholte war der Kommentar der ausrichtenden Mutter " ich weiß gar nicht, was du dir für Ssorgen gemacht hast, das war völlig unkompliziert" :-) Und Noah war überglücklich (und hundemüde)

Alexander Koch hat gesagt…

Danke Birgit für deinen Kommentar, ich freue mich zu lesen, dass auch du ein positves Erlebnis hattest.
Lg Alex

Alexander Koch hat gesagt…

Hallo Christine, Joshua, Danke für euer Kommentar, es freut mich sehr, dass ihr unseren Blog mitverfolgt. DANKE !!! Lg Aus Sevilla. Alex