Dienstag, 7. Januar 2014

Wie bringt man Kindern mit Down Syndrom das Denken bei?



Danke für den Besuch auf meine Seite. Zusätzlich zu diesem Post empfehle ich den Post Paradigmenwechsel, Überuns und EineErziehung in Möglichkeiten zu lesen, diese werden helfen eine globale Vision zu erhalten, da die Inhalte miteinander in Verbindung stehen.

Wie bringen wir unserem Down-Syndrom Kind das Denken bei? Dieser Post ist ein dicker Brocken und jetzt schon fallen mir tausend Sachen ein, die ich mitteilen möchte, obwohl ich nicht genau weiss, wie ich sie umsetzten soll damit sie auch verständlich werden. Ich starte dennoch den Versuch, bitte um Rückfragen oder Kommentare falls etwas nicht verständlich ist. Ich nehme mir auch die Freihet den Post mit der Zeit zu aktualisieren.

Wie ich bereits im Post Paradigmenwechsel geschrieben habe, bedarf es an einer Mentalitätsänderung seitens der Eltern.


Glaub ich als Mutter oder Vater daran, dass mein Kind mit DS überhaupt fähig ist zu lernen? Wie stelle ich mir mein Kind mit 20 Jahren vor? Lasse ich mich durch veraltetet Bilder und Meinungen von Experten einschüchtern? Wie behandle ich mein Kind mit Down Syndrom? Wische ich meinem Kind beim Essen den Mund ab? Trage ich mein Kind überall hin? etc... Trenne ich die Gesundheit von der kognitiven Entwicklung meines Kindes? Sprich, obwohl mein Kind körperliche Beeinträchtigungen hat, operiert worden ist, Herzfehler hat, etc., kümmere ich mich um die kognitve (geistige) Entwicklung? oder warte ich einfach darauf ab, dass etwas passiert?
 
Es geht nicht nur darum, zu sagen, dass wir unseren Kindern (auch DS Kind) Fähigkeiten zutrauen, sondern, dass wir als Eltern aktiv und mit Köpfchen an der Entwicklung, Erziehung und Bildung unsere Kinder teilnehmen. Es ist einfach geschrieben doch kostet sehr viel Überwindungskraft, um die veralteten, in unseren Köpfen verankerten Erziehungsmuster abzulegen.

Wir sind umgeben von Autorität und gehorsam, was in erster Linie nicht schlecht erscheint, es muss Regeln und Normen geben, die die Bürger einhalten müssen, wie auch unsere Kinder Regeln und Normen lernen müssen, die Frage ist jedoch wie lernen sie diese Regeln und Normen? Leider haben wir Eltern nie gelernt Eltern zu sein, nur wenige und trau mich zu sagen keiner von uns hat je eine Elternschule besucht, im späterem Alter evtl. aber nie mit dem ersten Baby. Wie geht Erziehen??

Mit Autorität und gehorsam, ja kann man erziehen und evtl. kommt auch etwas bei raus, dennoch stellt sich die Frage, ob die Kinder, die lernen gehorsam zu sein auch gelernt haben selbständig zu denken oder haben die Ideen und Gedanken der Eltern übernommen? Hier wage ich mich sehr mit der These, die kann jeder mal für sich selbst beantworten. Worauf ich hinaus will, ist, klar zu machen, dass wir je nachdem welche Art Erziehung und Verhalten wir zu hause führen, werden wir unseren Kindern bei ihrer Entwicklung helfen oder nicht.

kurzes Beispiel zur Erklärung:

Familie sitzt am Tisch und essen Spaghetti mit Bolognese. Kinder haben nach einer Weile den Mund schmutzig. Die Eltern sagen: " Wisch dir den Mund ab." Die Kinder gehorchen (vielleicht nicht beim ersten Mal), letztendlich wischen sich den Mund ab. Welcher Lernprozess ist bei den Kindern in Gang gesetzt worden? Ich wische mir den Mund ab, weil meine Eltern mir den Befehl geben mir den Mund abzuwischen und so mit vielen Situationen im Alltag. Die Kinder lernen nicht selbstÑandig zu denken oder Lösungen zu suchen.

Selbe Szene andere Konversation:"Pepe dein Mund ist schmutzig, wisch dir bitte mit der Serviette den Mund ab." Hier machen die Eltern das Kind darauf aufmerksam, dass der Mund schmutzig ist und geben auch gleischzeitig die Lösung vor. Das Kind lernt, wozu eine Serviette benutzt wird. Dennoch haben die Eltern dem Kind alles vorgegeben, die Situation und die Lösung. Kinder ohne Down Syndrom werden nach mehreren Essen schnell lernen wozu eine Serviette notwendig ist, dies nennt man spontanes lernen.

Kinder mit Down Syndrom haben dieses spontane Lernen wenig bzw. kaum ausgeprägt. Wir Eltern müssen ihnen helfen, diese Denkstruktur im Gehirn aufzubauen und dies erreichen mittels der Sprache (viel erklären, erzählen, fragen (offene Fragen nutzen)  und des Vorlebens.

z.B.: Antonio merkst du etwas um den Mund? (man kann auch einen Spiegel nutzten, damit sich das Kind schmutzig sieht). Das Kind realisiert, dass es schmutzig ist, reagiert nicht. Wir fragen:" Was kannst du machen ?" Kind reagiert nicht. Was kannst du nehmen, um dir den Mund abzuwischen? (Diese Fragen provozieren, dass das Kind denken muss.) Antonio gestikuliert: "weiss ich nicht". In dem Moment haben wir die Aufmerksamkeit des Kindes erlangt und können ihm zeigen wozu die Serviette benutzt wird, warum diese auf dem Tisch ist, etc. Diese Fragen müssen evtl. bei unterschiedlichen Mahlzeiten mehrmals wiederholt werden. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass das Kind sich den Mund abwischt, sondern, lernt zu denken, lernt sich zu erinnern, was wir in Situationen zuvor gesagt haben. Lernt sich zu erinnern, was wir ihm gezeigt haben. 
Mit der Zeit ändern wir natürlich die Fragen, bis das Kind die Serviette selbständig nutzt, nur weissen wir, dass das Kind dieses verinnerlicht hat.  



Es ist ein kleiner Unterschied zu dem Punkt zwei, doch mit den Fragen erreichen wir die Aufmerksamkeit des Kindes, es bewusst zu machen, dass wenn es isst ist sich evtl. den Mund schmutzig macht und setzen einen Lernprozess in Gang.

Bezüglich der Entwicklung stehen wir zu der These, dass wir Lernprozesse einleiten können und in unseren Fällen bei Kindern mit Down-Syndrom sogar müssen. Das Lernen ist nicht nur "biologisch", sondern auch "kulturell"bedingt. 

Bezüglich unserer Kinder mit Down Syndrom wissen wir, dass ihnen das spontane Lernen sehr schwer fällt und obwohl sie absolute Weltmeister im Imitieren sind, bedeutet dies nicht, dass sie wissen was, wozu und warum sie das machen, was sie gerade imitieren. Dennoch tappen wir in die Falle es zu glauben und freuen uns riesig, wenn das Kind etwas perfekt imitiert. In diesen Momenten müssen wir Eltern aktiv werden und unseren Kindern helfen ein Bewusstsein über diese Aktivität zu bilden. Wir können nicht abwarten bis sie ein biologisches Alter oder eine wie ich öfters zu hören bekomme biologische Reife haben. Dein Kind ist eigentlich 5 Jahre, hat aber gemäß Experten die geistige Reife eines 3 oder 4 Jährigen etc...

Nein wir können nicht warten, wir müssen aktiv werden und die Lernprozesse in Gang bringen, VORSICHT ich spreche nicht von Drill oder Situationen frocieren. Darum geht es nicht. Es geht lediglich um eine aktive Bewusstsein gefüllte Erziehung.

Wie erkennen wir die Situationen?

z.B. Tischdecken, die Kinder helfen beim Tischdecken, machen das super. Der nächste Schritt ist sie darauf aufmerksam zu machen und zu fragen: Warum deckst du den Tisch? Wieso deckst du den Tisch so? Was gibt es zu essen? Wie viele Personen essen? Brauchen wir Löffel? Was brauchen wir? etc. Es sind kleine Fangfragen, mit der Absicht das Kind zum NACHDENKEN zu bringen. Es soll selber die Antworten herausfinden und wenn wir merken, dass nichts kommt wissen 1. Das Kind hat lediglich den Tisch automatisch gedeckt ohne zu überlegen, was notwendig ist, 2. wir müssen beim Denkprozess helfen.

Kann das Kind auf die eine oder andere Frage antworten, bzw. wird aktiv, um die Lösung zu finden, können wir Eltern ruhig sein, dass dieser Prozess (im Groben) in den Köpfen unserer Kinder verankert ist und mit der Zeit verfeinert werden muss.

Unser Ziel ist, dass das Kind eigene Gedanken, Strategien und Lösungen kreieren kann, um selbständig alltägliche Situationen des Lebens meistern zu können.

Hier präsentiere ich euch 1 Video, aufgezeichnet im Juni 2012.

Die Hauptprämisse, die wir verfolgen ist es unseren Kindern das DENKEN beizubringen. Hierzu nutzen wir die Vorbereitung (Planifikation) und die Aktion selbst. (In einem späteren Post werde ich noch mehr dazu schreiben.)

Das Duschen ist eine TÄGLICHE Aktion, doch wissen unsere Kinder wirklich welche Schritte zu tun sind? Oder machen sie nur das, was wir ihnen sagen? Wenn wir nicht da sind, wären sie in der Lage alleine zu duschen? Dabei meine ich die Aktionen vor, während und nach der Dusche (Wäsche aussuchen, Handtuch mit ins Badezimmer nehmen, etc..). (Wobei das Wäsche aussuchen auch ein eigener Prozess ist (Wie ist das Wetter?
Welche Aktivität machen wir (Sport, Kindergeburtstag, etc.))

 
In dem Video ist Antonio 3-1/2 Jahre alt.


Wie ihr bereits wisst, nutzten wir die Fotografien, um Sequenzen in der Dimension Zeit bildlich darzustellen. Das Video zeigt einige Bilder der Duschsequenz. Was ist entscheidend an dem Video? Das Kind ist in der Lage die Sequenz richtig aufzustellen, somit ist es in der Lage sich im Kopf die Situation vorzustellen.

Bitte, bitte mir geht es nicht darum zu zeigen, wie toll Antonio ist. Wir wollen einfach nur mit allen Eltern teilen, wie und was wir zu Hause machen, dass der Alltag, das eigene Heim unzählige Lernmöglichkeiten bietet. Das Gehirn ist eine rein kognitive Geschichte, die unabhängig von weiteren körperlichen Einschränkungen und Alter des Kindes, täglich in Gang gesetzt werden kann und MUSS.

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