Sonntag, 2. Februar 2014

Dein Kind muss sichtbar sein....

Vor einer Woche war ich beim ersten Jahrestreffen aller Mitglieder des Proyecto Roma in Malaga, von vielen Sachen, die wir dort besprochen haben, lässt mich ein Satz seit dem nicht mehr los.

"Tu hijo tiene que ser visible,...tiene que ser visible para la sociedad, para los demas."
"Dein Sohn, muss sichtbar sein,... muss für die Gesellschaft und für die Anderen sichtbar sein."

Diesen Satz sagte Miguel Lopez Melero zu einem Elternpaar, die kurz davor eine Situation ihres Alltags vorgetragen hatten. Auch wenn Miguel sich an diese Familie richtete (Sohn ist 13 Jahre alt) und dies ist nur ein Ausschnitt seines Kommentares an die Familie, traf der Satz bei mir wie ein Blitz ein.

Irgendwie summte diese Idee schon in unseren Köpfen, doch hatten wir es noch nicht so direkt gehört und uns bewusst gemacht, wie wichtig es ist. In diesem Moment dachte ich nur, "Antonio muss für die Gesellschaft sichtbar sein...," JA, da hat Miguel recht.

Warum ?
Damit er von den anderen ernst genommen wird, damit er anderen und sich selbst Berührungsängste nehmen kann, damit er aktiv an dieser Gesellschaft teilnimmt, damit er akzeptiert wird, damit er zeigen kann, was er kann, damit er für seine "Chance" kämpfen kann, damit er anderen sagen "hier bin ich!"  und damit wir mit Mut den Vorurteilen entgegen kommen können.


In dem Moment erinnerte ich mich auch an den Blogeintrag "Antonio war heute mega glücklich", er war ja schon auf Kindergeburtstage, aber immer war die Mutter dabei, Momente die sie nutzt, um ihre Ideen vorzustellen und über Inklusion aufzuklären. Doch dieser Freitag war ganz anders, er war ganz alleine beim Kindergeburtstag und und davor noch bei einem Freund zum Essen eingeladen. 
Antonio gab man die Chance sich zu zeigen wie er ist, die Mutter des Freundes gab sich die Chance ihn kennen zu lernen, da stand auf einmal nicht das Down Syndrom im Mittelpunkt, sondern Antonio. Antonio hat die Tür aufgemacht um sichtbar zu werden, er alleine, ohne uns.

Am letzten Freitag, am Freitag an dem ich nach Malaga fuhr, ist Maria wieder mit den drei alleine geblieben, Antonio hatte wieder einen Geburtstag und hatten dieselbe Situation, doch dieses Mal war ein anderer Schulfreund dran, eine andere Mutter, die sich selbst eine Chance gab. Ob es daran lag wie positiv die erste Mutter über Antonio berichtet hatte? Waren die Berührungsängste gemindert?

 Maria rief mich am Abend glücklich an und sagte mir nur wie sehr die Mutter Antonios Verhalten gelobt hatte und wie sehr sie begeistert von ihm war. Das Schönste an der Geschichte ist nicht der Lob, sondern, dass die erste Mutter und nun auch die zweite Mutter mit den anderen Müttern über Antonio geredet haben. Dass die Mutter, Maria sagte "jetzt glaub ich dir, weil ich selber erlebt habe, vorher fiel es mir sehr schwer dir zu glauben." 
Glaubt ja nicht, dass Antonio ein DS Überflieger ist, ist er nicht, wir sind nur am Kämpfen.  

Doch Wie ?
Das ist die beste Frage, wie macht man sich sichtbar? Übernehmen wir die Definition der Anderen?
Down-Syndrom ist ein geistig Behinderter?  Ist mein Kind als geistig Behinderte Person sichtbar, will ich, dass es so sichtbar ist? oder will ich, dass es als die Person sichtbar wird die es ist. Eine Person mit einem Namen, mit einer Geschichte, mit einer Familie, mit Möglichkeiten, mit Träumen, mit Ideen, mit Gefühlen? 

Welche Rolle spielen wir Eltern dabei, bis unsere Kinder in der Lage sind ihre eigene Geschichte zu schreiben, auf sich allein gestellt zu sein, wie Sarah Gordy, Pablo Pineda, Angela Bachiller, María Barbara Rondón Mendoza oder Tim Harris und viele mehr? 

Antonio hat gezeigt, dass er ein Kind ist, wie jedes andere, Antonio ist sichtbar geworden, Antonio hat sich sichtbar gemacht, zumindest hat er die erste Tür aufgemacht von noch so vielen die er aufmachen muss.

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