Montag, 14. April 2014

Gebt Henri eine Chance...

Henri darf nicht aufs Gymnasium. Er hat das Down-Syndrom und gemäss Definition “geistig behindert”, es ist egal wer er ist und was er bisher mit 11 Jahren leisten kann. Das interessiert niemanden. Er hat das Down-Syndrom und ist geistig behindert, so ist es und wird es sein, der Mensch spielt keine Rolle.

In den Köpfen der sogenannten Bildungsexperten läuft es wahrscheinlich folgendermaßen ab: “Wir sehen ein Kind mit Schlitzaugen, “offenen” Mund (oder auch nicht) und kleiner als der Rest der Kinder im selben Alter und wir (Bildungsexperten) wissen sofort was dahinter steckt. Es ist egal was die Eltern uns über ihr Kind sagen, die wollen sowieso nur Stress machen, sind blind, wahrscheinlich noch traumatisiert von der Geburt eines ”behinderten” Kindes, haben die Situation noch nicht akzeptiert und wollen nun, dass die Gesellschaft diese Situation ausgleicht."

Denn nur wer so denkt, ist in der Lage zu sagen: "Henri, wird das Abitur sowieso nicht schaffen." Super, dass die das schon wissen. Wenn die Verantwortlichen für die Bildung der Jugend so schlau sind, könnten die mir bitte auch die kommenden Lottozahlen sagen?

Henri ist nicht in der Lage dem Unterricht geistig zu folgen, sagen die Bildungsexperten des Gymnasiums Walldorf. Sind den alle Schüler immer 100% in der Lage dem vielleicht extrem veraltetem Unterrichtsstoff und Frontalunterricht geistig zu folgen? Alle? Seid ehrlich wo vor habt ihr Angst? Leider muss Henri im Vorfeld beweisen können, dass er fähig ist, dass er in der Lage ist, andere Kinder müssen nichts beweisen.

Anstatt Henris Motivation und seinen Willen zu preisen, das höchste Bildungsniveau für seine persönliche Entfaltung erreichen zu wollen, oder einfach nur zu respektieren, dass er ein ganz "normales" Leben führen möchte, einfach wie alle Kinder auch, mit seinen Freunden zusammenbleiben möchte, gemeinsam von und miteinander Lernen, gemeinsam den Schulalltag erleben, zu weinen, zu lachen, zu feiern, zu leben.  
Aber er darf nicht, die anderen ja? Warum? Weil sein Extrachromosom Angst macht?  Für die Lehrer die Aufgabe zu anstrengend werden kann? Weil er es sowieso nicht schafft? Weil die Gesellschaft für ihn und Seinesgleichen, Personen zweiter Kategorie, etwas Anderes vorgesehen hat? Weil ein Präzedenzfall geschaffen werden kann? Angst davor, dass Inklusion teurer werden kann als die wunderschöne Baustelle des neuen Berliner Flughafen?

Woher haben diese BILDUNGSEXPERTEN Angst? Ich Weiss es nicht.

Henri kann eine Chance für das Gymnasium sein, Strategien zu suchen, um den Unterrichtsstoff auf eine andere Art und Weise zu erteilen, Bildung muss für alle Kinder zugänglich sein. Henris Teilnahme am Gymnasium ist eine Herausforderung für alle, und kann Vorbild sein, Respekt und Toleranz gemeinsam zu leben und nicht nur darüber im Sozialkunde Unterricht zu philosophieren.
Liebes Gymnasium Walldorf, es gibt immer ein zurück, doch bitte seid positives Vorbild für eure Schüler und schmeisst bitte nicht das Handtuch bevor es überhaupt losgeht. Gebt euch eine Chance Henri kennen zu lernen, und gemeinsam mit ihm und den Mitschülern eine Herausforderung zu meistern. Gebt den Schülern die Chance Respekt, Toleranz und Empathie zu leben.
 
Gebt Henri eine Chance, so wie ihr sie einst erhalten habt.

Mittwoch, 9. April 2014

Sei der Spiegel, in dem dein Kind sich widerspiegelt.


Sei der Spiegel, in dem dein Kind sich widerspiegelt. Sei der Spiegel, in dem dein Kind sich widerspiegelt.

Vor kurzem hat man mir diesen Satz gesagt und finde ihn genial. Dieser Satz beschreibt bildlich den Kernpunkt des Forschungsprojektes der Uni. Malaga, beschreibt wie wir versuchen zu denken und zu handeln als Elternpaar.

Eigentlich kennen wir das Ergebnis: die Kinder sind ein Spiegelbild von uns. Doch dieser Satz suggeriert etwas Neues: “ Sei der Spiegel, in dem dein Kind sich widerspiegelt.” Ich als Elternteil muss eine aktive Rolle einnehmen, muss mir bewusst sein, dass mein ganzes SEIN, meine gesamte Kommunikation (verbal und nicht verbal) Einfluss auf die Entwicklung, auf das Heranwachsen einer neuen Person hat.

Unsere Kinder sehen in uns, was wir von ihnen halten und erwarten. Sieht das Kind in uns Vertrauen und Zutrauen? Sieht das Kind in uns Zweifel? Angst? Mut?

Ist uns wirklich bewusst wie und was wir ihnen vermitteln?

Vermitteln wir vielleicht kontroverse Signale? Ich sage dem Kind jeden Tag, dass ich ihm etwas zutraue, ziehe es aber schnell an, da keine Zeit ist? Wische meinem Kleinen den Mund ab? (Er ist ja noch so klein und alleine kann er nicht.) Gebe dem Kind zu essen, lege die Kleidung für den nächsten Tag bereit, fahre es mit dem Kinderwagen aus Bequemlichkeit, obwohl es laufen kann, und viele Beispiele noch, die jedem jetzt durch den Kopf knallen.

JA du kannst, ABER unser tägliches Handeln in Kleinigkeiten, die uns gar nicht auffallen, die bei uns automatisch sind, vermitteln dem Kind etwas Anderes.

Mag sein, dass einige jetzt aufhören zu lesen, sich über mich ärgern, mich übertrieben finden oder gar fern von jeglicher Realität sehen. Viele meinen ich bin blind und wolle die Realität nicht sehen. Das Kind ist behindert, es hat doch das Down-Syndrom, siehst du das Nicht!!! und warnen mich nur, dass ich es mit der Zeit sehen werde. 

Doch ich schau mein Kind an und sehe nur Antonio, dem ich so viele Dinge beibringen muss, genauso wie seinem Bruder und nun auch der kleinen Schwester. Ich sehe Vertrauen, Zutrauen, Lebenskraft, Illusion, Mut, Kraft, Ausdauer, Neugierde, Lebenslust, Liebe und Millionen  Möglichkeiten, dass die Zukunft gestaltet werden kann.


Steht dein Kind mit Down-Syndrom im Mittelpunkt? Warum? Siehst du es etwa zerbrechlicher? (Und seid mir nicht böse, versucht dies neutral zu lesen, als Reflexion, jeder von uns ist auf die eine oder andere Art durch gesundheitliche Problem mit den Kids gegangen. Wir müssen lernen, die körperliche Gesundheit von der kognitiven Entwicklung zu trennen. Die körperliche Gesundheit ist durch das Down-Syndrom öfters vertreten. Ja meiner war auch körperlich krank, doch haben wir das kognitive nicht zur Seite gestellt.)

Die Reflexion ist klar. JA du kannst, ABER du bist beh.….!!

Ich bin er Spiegel für meine Kinder! Entweder vermittle ich du kannst oder du kannst nicht.
Es darf kein ABER geben, die Kinder merken diesen Zweifel in uns und zweifeln auch.

Habt ihr euch Gedanken gemacht, dass eventuell dieses ABER, dieser kleine Zweifel, eines der Ursachen für das "stressige" Verhalten der  Kínder (hinsetzen, bockig sein etc.) sein kann? Ich will nicht sagen, dass es der Hauptgrund ist, aber Einfluss darauf hat.

JA du kannst, ABER meine Eltern machen sowieso alles für mich!!
Jedes Kind hat seinen Rhythmus und Entwicklungsstadium (Piaget) und diese Kinder brauchen nun mal länger, höre und lese ich in so vielen Foren. Ich habe mit der Zeit gelernt, das dies nur  bedeutet, dass man darauf wartet, das etwas passiert. (Sorry, will niemanden zu nahe treten,)

Und wenn es anders sein kann? Wenn es nicht so ist, wie in der Entwicklungsstadiums Tabelle von Piaget vorgegeben ist? Wenn doch vor der angegebenen Zeit in der Tabelle Situationen gemeistert werden können? Und wenn dies nicht ist, weil das Kind nun mal so gut ist (Naturtalent), und wenn es daran liegt, dass wir ihnen etwas zutrauen, daran fest glauben und es auch so vermitteln? Wenn wir sie wie Kinder behandeln und nicht wie “behinderte” Kinder? Ich weiß es ist vielleicht schwer nachvollziehbar, doch eliminieren wir mal aus unseren Gedanken das Behindert sein und alles was mit diesem Wort verbunden ist. Wenn wir aktiv die Entwicklung in die Hand nehmen, und nicht darauf warten, dass etwas geschieht? ( Vygotsky )

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir, dass den Eltern von Kindern mit Down-Syndrom bewusst wird welchen Einfluss ihre persönliche Einstellung auf die Entwicklung des Kindes hat, dass wir Eltern unsere Sprache ändern und aufhören von betroffen sein reden, dadurch bringen wir uns nur in die Ecke, aus der wir eigentlich rauskommen wollen.

Ich habe eine Familie, und eines oder zwei meiner Kinder hat/haben das Down – Syndrom. Doch was bedeutet das?

Es liegt nun uns, der aktuellen Generation von Eltern, die sozialen mega Vernetzungen zu nutzen, um eine neue Definition zu schreiben. Unsere Definition! Und den Weg für die kommenden Generation von Eltern vorzubereiten, damit deren Kindern ihre eigene Geschichte schreiben können.

Es liegt ganz alleine an uns, ob wir als Betroffene angesehen werden wollen! Es liegt an uns, den Spezialisten mal zu sagen, dass sie in vielen Dingen falsch liegen. Es liegt an uns, uns so darzustellen, wie wir möchten, dass die Gesellschaft, Familien, Nachbarn, Freunde, Lehrer, Sozialarbeiter, Ärzte uns sehen.
 
Doch dafür müssen wir eine aktive Rolle einnehmen und uns bewusst sein, dass wir der Spiegel sind, in dem sich unsere Kínder widerspiegeln.