Sonntag, 5. Oktober 2014

Ich hole die Brötchen

Es ist Sonntag und heute habe ich den Kindern vorgeschlagen, dass sie das Frühstück vorbereiten. Hatte kaum den Vorschlag zu Ende gesprochen, schon rief Antonio: “Ich (hole die) Brötchen!” und lief sofort in sein Zimmer. Alexander wollte lieber zuhause bleiben und den Kaffee zubereiten. Die Woche davor waren beide zusammen Brötchen holen, doch nun bahnte sich die Situation an, dass Antonio alleine gehen wollte.
Nicht eine Minute hat es gedauert, da kam er angezogen wieder, mit einem grossen Grinsen im Gesicht, tschüss Papa und wollte los.
Antonio, warte mal!!! Wir mussten den kleinen in seiner Euphorie stoppen und dieses natürliche Interesse ausnutzen um mit ihm zu planen.
 Wir: Vergisst du nicht etwas?
A: Nein.
Wir: Ahh, und wie willst du das Brot bezahlen?
A: Ay Mama, mit Geld.
Wir: Hast du Geld?
A: Nein. –Me das dinero, por favor – gibst du mir bitte Geld.
Wir: Wie viel brauchst du?
A: No lo sé. Ich weiss es nicht.
Wir: Wie viel Brötchen willst du kaufen? Hast du nachgesehen, ob wir noch Brot haben?
Er wurde etwas ungeduldig, doch wir können ihn nicht einfach so gehen lassen, ohne vorher seine Gedanken zu strukturieren. Es geht nicht nur, dass er körperlich fähig ist Brötchen kaufen zu gehen, er muss im Kopf wissen, was er alles benötigt, er muss die Aktion planen können. Dazu gehört auch zu sehen, ob man überhaupt Brötchen braucht.
A: No hay pan. Es gibt kein Brot.
Wir: Welche Art Brot willst du kaufen?
A: Mama, pan. Brot mamá. (hier merken wir, dass er noch lernen muss welche Art Brötchen es gibt und wie sie heissen.)
Wir: Kennst du den Weg? Wenn du aus dem Haus gehst, gehst du nach rechts oder links gehen?
A: Si, so, so so. (Er konnte nicht wortwörtlich den Weg beschreiben, da mussten wir etwas nachhelfen, doch er wusste, dass er nach rechts die Strasse lang gehen musste, die Strasse überqueren und da war schon der Laden.)
Wir: Worauf musst du achten, wenn du die Strasse überquerst?
A: Coches. Autos.
Wir: Ahh, und wann gehst du rüber.
A: Ich so mama. Paro coche. Er schaute mit dem Kopf nach links und rechts und machte die Handbewegung mit der die Autos gestoppt werden.
Wir: Ok, Antonio. Du bist alleine. Du dafst mit niemanden sprechen, den du nicht kennst. Du gehst zum Bäcker und wieder zurück. Wenn du im Laden bist, was musst du sagen?
A: Pan por favor. (Wir haben nachgeholfen und ihm den ganen Satz vorgesagt, damit er auch 4 Brötchen bestellt.)
Daraufhin gaben wir ihm 1 euro Stück und erklärten ihm, dass er dafür 4 Brötchen bekomme.
Da wir merkten, dass er den Weg bestens wusste, liesen wir ihn los marschieren…. Etwas nervös waren wir schon, da es das allererste Mal war, dass er alleine aus dem Haus ging.
Glücklicherweise ist der Bäcker um die Ecke und kennt uns gut, daher ist dies wie eine kleine Trainingseinheit bevor wir ihn auf grössere Touren gehen lassen. Er ging los und die Mutter hinterher, so dass er sie nicht sehen konnte. Als er wieder zurück kam, lief sie  schnell ins Haus, er sollte ja das Erfolgserlebnis haben.
Nach gut 5 Minuten kam er wieder zurück. Stolz wie nie zuvor, rief er und sprang auf der Stelle: “ Yo solo, yo solo, mamá yo solo!!!  Papá yo solo! Yo solo, si yo solo!” was nichts anderes bedeutet, als “ich alleine”.
Es war so unglaublich toll anzusehen, wie bewusst ihm war, dass er es alleine geschafft hatte. Nun müssen wir daran arbeiten, dass er die Namen der Brötchen kennt, und andere Produkte im Laden, damit er seinen Aktionsradius vergrößert, und nicht zu vergessen, die Regeln und Normen im Strassenverkehr durchgehen und vor allem das Bewusstsein schaffen, welche Gefahren im Strassenverkehr lauern.  

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