Freitag, 13. November 2015

Wenn wir eine Kleinigkeit in unserer täglichen Routine ändern

Ich muss zugeben es fällt mir schwer zu schreiben, Alltag, Beruf und kontinuierliche Aktivitäten rauben viel Kraft. November und Dezember sind beruflich gesehen ruhigere Monate für mich und so hab ich ein bisschen Zeit gefunden einen neuen Eintrag zu schreiben.

Wie ihr wisst, nutzen wir zuhause die globale Lesemethode auch wenn die Schule (leider) andere Wege geht. In diesem Link zu einem aderen Eintrag könnt ihr nachlesen wie wir es machen:

http://vielfaltfamilie.blogspot.com.es/2014/11/sprechen-durchs-lesen-teil-1.html 

In den Sommerferien bzw. vor den Sommerferien haben wir bereits bemerkt, dass diese Methode mit den einzelnen Blättern uns sehr limitierte, und wenn wir mal gerade keine Blätter zur Hand hatten blieb der selbe Satz ein paar Tage lang hängen. Dazu kam noch das Desinteresse der Kinder die Blätter zu lesen. Wir mussten uns etwas anderes einfallen lassen, doch wussten nicht was.

Nach den Sommerferien hatte meine Frau die Idee gehabt Teil der Wohnzimmerwand als Wandtafel zu nutzten. Am Anfang war ich etwas skeptisch, doch nachdem ich einige Fotos im Internet gesehen hatte konnte ich mir eine bessere Idee machen. Wir kommentierten die Idee mit den Kindern, sie fanden die Idee toll, planten die Aktion und gingen in den Baumarkt das Material zu kaufen.

Hier ein paar Bilder.






Die Wandtafel wird nun täglich von der ganzen Familie benuzt, ob zum Schreiben, Malen, Spielen, zum Planen oder Matheübungen zu machen. 

Da wir noch Farbe übrig hatten, malten wir in den Kinderzimmern je eine weitere Wandtafel, doch die am meisten benuzt wird ist die, die im Wohnzimmer ist. 

Vielleicht haben einige von euch bereits eine und seht nichts Besonderes daran, mag sein. 

Doch für uns ist es mehr als nur eine Wandtafel. Diese Aktion ist zu einem Symbol geworden, 
dass das Leben nicht statisch ist. In sehr vielen Dingen agieren wir nach Plan, ein Programm, das im Kopf abgespielt wird, Dinge werden gemacht, weil sie immer so waren und so lange man nichts Schlechtes an ihnen sieht, werden sie auch nicht in Frage gestellt. Warum auch? 

Das Leben ist gestaltbar und dieses zu gestalten liegt ganz allein an uns.

Wir hätten uns nie vorstellen können eine riesen Wandtafel im Wohnzimmer zu haben... im Kinderzimmer ja, aber im Wohnzimmer? 

...und wenn wir sie in Zukunft nicht mehr nuzten, dann kommt sie einfach weg...

Und was wäre, wenn ihr eine Kleinigkeit in eurer täglichen Routine ändert?

Paradigmenwechsel, der erste Schritt zum inklusiven Denken.

Starten wir Eltern, Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Lehrer, etc.immer noch von einer alten  traditionellen Denkweise, vor allem wenn wir unsere Kinder mit Down Syndrom betrachten?

Diese Kinder sind so... schaffen es sowieso nicht, etc...


Sehen 
wir ein kompetentes Kind, so werden wir ein kompetentes Kind erziehen,

sehen 

wir aber ein defizitäres Kind, so wird unsere Erziehung ebenfalls defizitär sein. 

Therapie vs. Erziehung ?
   
Sprechen wir unsere Kinder richtig an ? 
Fragen wir sie oder geben wir vor, was sie zu tun haben ?
Behandeln wir unsere Kinder gleich, oder wird das besondere Kind anders behandelt ?

Sehen wir unser spezielles Kind als ein defizitäres Kind oder
als kompetentes Kind mit der Fähigkeit zu lernen?

Erklären wir unseren speziellen Kindern die Sachen,
die sie umgeben, wie wir es mit unseren anderen Kindern tun ?




Haben wir Vertrauen in unsere Kinder?



Hierzu habe ich einen Artikel von Miguel López Melero gefunden, den ich mit euch teilen möchte. Miguel ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Malaga und arbeitet seit einigen Jahren an neuen Erziehungmodellen für Schule und Familie, u.a. auch das "Proyecto Roma". 

Unten hab ich einen Absatz kopiert, der die Kernidee des Projektes reflektiert !


"Paradigmenwechsel
"Es handelt sich genauer gesagt um einen Paradigmenwechsel im Sinne von Kuhn (1977), der fordert, dass das defizitäre, von medizinischen und psychologischen Einflüssen geprägte Paradigma von einem neuen Paradigma abgelöst wird, das exzeptionelle Menschen als wertvolle, nicht mehr als kranke Menschen sieht."


Der Diskurs über Vielfalt ist der Diskurs über die Begabung des Anderen, als wirklich Anderer. Das heißt, es ist die Anerkennung der persönlichen Identität und die Emanzipation exzeptioneller Menschen. Es ist der Kampf gegen jegliches Zeichen von Segregation oder Diskriminierung und nicht die Suche nach Mitteln und Instrumenten, die exzeptionelle Menschen Teil in einer feindlichen Welt sein lassen. Nicht die exzeptionelle Person hat Schuld, sondern wir selbst. Nicht die exzeptionellen Menschen sollen sich ändern, sondern die ganze Gesellschaft. Es geht nicht darum, exzeptionelle Menschen gemeinsam mit anderen zu erziehen, sondern darum, alles was in unseren Händen liegt zu tun, um gegen institutionelle Segregation anzukämpfen. Es geht nicht darum, die Spielregeln zu lernen, sondern ein neues Spiel zu schaffen. Wenn das nicht verstanden wird, ist es kaum möglich, die eigentliche Natur des “Problems” zu verstehen." 

  • Aus: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft Nr. 4/5/2000, S. 11-34. 
    Thema: Die Kultur der Vielfalt
    Miguel López Melero
    Zeitschrift: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft
    Ausgabe: 4/5/2000
    Textsorte: Zeitschrift
    Themenbereich: Schule, Theoretische Grundlagen

Hier findet ihr den gesamten Text: Vielfalt der Kultur - Miguel López Melero